Willkommen auf Sabines Seite
*26.10.1978            +06.06.2000
 

Von Wasserkäfern und Libellen

Tief unten, unter der Oberfläche des stillen Sees, lebte eine kleine Kolonie Wasserkäfer. Zufrieden und glücklich waren sie in dieser Kolonie, fern der Sonne. Vielbeschäftigt eilten die Käfer monatelang auf dem weichen Grund des Sees umher.

Nur gelegentlich merkten sie, dass einer der Käfer plötzlich das Interesse am geschäftlichen Treiben mit seinen Freunden verlor. Am Stamm einer Wasserrose kletterte ein Käfer aus Sichtweite und wurde nicht mehr gesehen.
" Schau!", sagte einer der Wasserkäfer zu einem anderen, "einer unserer Freunde klettert den Stamm hinauf, wo denkst du, geht er hin ?" Langsam klettert er weiter, immer weiter, rauf, rauf, rauf. Und als die anderen ihm zusahen verschwand der Wasserkäfer. Seine Freunde warteten und warteten, aber er kam nicht mehr zurück.

"Das ist aber drollig!" sagte ein Käfer zum anderen. "War er nicht glücklich bei uns?" fragte ein zweiter Wasserkäfer.
" Wo meint ihr ging er hin?" wunderte sich ein Dritter.
Keiner hatte eine Antwort, sie waren doch sehr verblüfft.
Schließlich sammelte einer der Käfer, ein Anführer der kleinen Kolonie, seine Freunde um sich. "Ich hab eine Idee. Der nächste von uns, der den Stamm der Wasserrose erklimmt, muss versprechen zurückzukommen um den anderen zu erzählen wo er oder sie hinging und warum." "Das versprechen wir" erklärten die anderen feierlich.

Nicht lange danach, an einem schönen Sommertag kletterte der Käfer, der diesen Vorschlag gemacht hatte, auf einmal selbst die Wasserrose hinauf. Rauf, rauf, immer weiter. Bevor er sich versah, brach er durch die Wasseroberfläche und fiel auf ein breites, grünes Blatt der Wasserrose.

Als er erwachte, schaute er sich voll Erstaunen um. Er glaubt nicht was er sah. Sein Körper hatte merkwürdige Veränderungen vorgenommen. Vier silbrige Flügel und ein langer Schwanz waren auf einmal da. Noch während er sich abmühte, fühlte er den Drang seine Flügel zu bewegen. Schon bald hatte die Wärme der Sonne die Nässe besiegt. Wieder bewegte er die Flügel und fand sich plötzlich hoch über dem Wasser. Aus dem Käfer war eine Libelle geworden. Er flog durch die Lüfte, kreiselnd und tauchend. Überglücklich fühlte sich die Libelle in der neuen Umgebung.

Dann und wann landete die Libelle zufrieden auf einem Wasserrosenblatt und ruhte sich aus. Zufällig fiel der Blick auf den Grund des Sees.
Na so was, er befand sich genau über seinen alten Freunden, den Wasserkäfern! Da waren sie alle, wie eh und je eilten sie umher, so wie er es vor einiger Zeit tat.
Da erinnerte sich die Libelle an das Versprechen: "Der nächste von uns, der den Stamm der Wasserrose erklimmt, wird zurückkommen und den anderen erzählen wo er oder sie hinging und warum."

Ohne lange zu überlegen, tauchte die Libelle nach unten. Doch plötzlich traf sie auf die Oberfläche und wurde zurückgeworfen. Jetzt, da er eine Libelle war, konnte er nicht mehr ins Wasser.
" Ich kann nicht zurück!" rief er überrascht. "Wenigstens hab ich es versucht, aber mein Versprechen kann ich nicht einhalten. Selbst wenn ich zurück könnte, nicht einer der Wasserkäfer würde mich in meinem neuen Körper erkennen. Ich muss wohl warten, bis auch meine Freunde zu Libellen werden. Dann werden sie verstehen was mir geschah und wohin ich ging."
Und die Libelle startet fröhlich in die wunderschöne und neue Welt voll Luft und Sonnenschein.

Diese Geschichte war ein kleiner Trost für mich nach dem Tod meiner einzigen Tochter Sabine, die im Juni 2000 im Alter von 22 Jahren an einer Krebserkrankung starb.

 

 

 
Als Sabine schon krank war, erfüllte sie sich einen Wunsch
und kaufte ein Pferd. Ich habe das Pferd heute noch.
Es ist die einzige lebende Verbindung zu Sabine.
 
… und immer sind da Spuren
Deines Lebens, Gedanken, Augenblicke.
Sie werden mich immer an Dich erinnern
und mich glücklich und traurig
machen und Dich nie vergessen lassen …

In ewiger Liebe
Deine Mutti!